Die CO₂-Bilanz von Verpackungen entscheidet sich selten am Werkstoff allein. Ob Karton oder Folie – am Ende zählt die Gesamtrechnung aus Herstellung, Transport und Verpackungsleistung. Genau beim Transport steckt ein Hebel, den viele unterschätzen. Dieser Beitrag vergleicht die CO₂-Bilanz eines LKW voller Schrumpffolie mit einem LKW voller Karton.
CO₂ entsteht bei jeder Fahrt
Ein moderner LKW verursacht im europäischen Durchschnitt rund 118 Gramm CO₂-Äquivalente pro Tonnenkilometer. Jede Fahrt erzeugt Emissionen – egal, ob Karton oder Folie geladen ist. Der Unterschied liegt in der Verpackungsleistung pro Fahrt. Und hier gehen die beiden Systeme weit auseinander.
Volumen zählt mehr als Gewicht
Beide Materialien wiegen wenig. In der Praxis füllt sich ein LKW deshalb fast immer über das Volumen, nicht über das Gewicht.
- Kartons enthalten viel Luft.
- Folienrollen sind kompakt gewickelt.
Dieser Unterschied prägt die CO₂-Bilanz pro Verpackung stärker als jede Materialdiskussion.
So viele Verpackungen passen auf einen LKW

Ein LKW mit Kartons transportiert meist 20 bis 24 Europaletten mit gestapelter, voluminöser Ware. Je nach Größe ergibt das etwa 30.000 bis 50.000 Verpackungseinheiten.
Schrumpffolie reist als Rollenware. Die Rollen sind dicht gewickelt und enthalten kaum Luft. Ein einzelner LKW mit Folie liefert Material für rund 300.000 bis 400.000 Verpackungen. Mit einer Fahrt Folie verpacken Sie also acht- bis zehnmal mehr Produkte als mit einer Fahrt Karton.
CO₂ pro Verpackung im Transport
Auf einer Strecke von 500 Kilometern verursacht ein LKW etwa 2,5 bis 3,0 Tonnen CO₂-Emissionen. Rechnet man das auf die Verpackungsleistung um, zeigt sich der Abstand deutlich:
- Karton: rund 40.000 Verpackungen, etwa 60 bis 75 Gramm CO₂ je Stück
- Folie: rund 350.000 Verpackungen, etwa 7 bis 9 Gramm CO₂ je Stück
Allein im Transport verursacht Karton ein Vielfaches der Emissionen pro verpacktem Produkt.
Die Herstellung im Vergleich

Auch die Materialherstellung gehört in die Rechnung. Die Herstellung verbraucht bei beiden Werkstoffen Energie. Karton besteht aus Papier und liegt bei rund 150 bis 250 Kilogramm CO₂ pro Tonne. Kunststofffolie liegt höher, bei etwa 1.800 bis 2.300 Kilogramm CO₂ pro Tonne. Auf den ersten Blick verliert die Folie diesen Punkt.
Der Blick auf die Tonne führt jedoch in die Irre. Entscheidend ist die einzelne Verpackung. Schrumpffolie kommt mit geringer Foliendicke und wenig Material pro Verpackung aus. In der Praxis ersetzt ein Kilogramm Folie oft sechs bis zehn Kilogramm Karton.
Herstellung und Transport zusammengerechnet
Setzt man beide Werte ins Verhältnis, ergibt sich ein klares Bild. Karton startet mit dem niedrigeren CO₂-Wert pro Tonne, braucht aber ein Vielfaches an Material und Transportvolumen. Folie startet höher, kommt dafür mit deutlich weniger Material und Fahrten aus. In vielen Anwendungen gleicht die Transporteinsparung die höheren Herstellungswerte der Folie aus. Oft fällt die Gesamtbilanz für die Folie sogar besser aus.
Weniger Fahrten für dieselbe Menge
Ein Effekt bleibt oft unbeachtet: Für dieselbe Verpackungsmenge fallen acht- bis zehnmal weniger Fahrten an. Jede eingesparte Fahrt senkt CO₂, Kraftstoffverbrauch, Verkehr und Kosten. Bei laufendem Verpackungsbedarf wirkt dieser Vorteil über Jahre.
Die CO₂-Bilanz entscheidet sich im System, nicht am einzelnen Material. Transporteffizienz zählt dabei besonders stark. Schrumpffolie liefert ein Vielfaches an Verpackungsleistung pro LKW und schneidet trotz höherer Herstellungswerte in vielen Fällen besser ab, als ihr Ruf vermuten lässt. Karton bleibt für viele Zwecke geeignet. Wer Nachhaltigkeit ernst bewertet, betrachtet Verpackung als Gesamtsystem aus Material, Herstellung, Transport und Nutzung.
Herzlichst
Ihr Mathias Weileder
Vorschaubild: © jdarius/stock.adobe.com
Bild1: © hub/stock.adobe.com
Bild2: © Oleh/stock.adobe.com





